Gemeinderatssitzung 29.11.2011

Nachtabschaltung/Nachtabsenkung der Straßenbeleuchtung in Malsch

Bereits mehrfach war in den vergangenen Jahren das Thema Nachtabschaltung/Nachtabsenkung Gegenstand von Diskussionen im Gemeinderat. Speziell das Thema Nachtabsenkung bzw. Halbnachtabschaltung wurde dabei von Gemeinderätinnen der Freien Wähler angesprochen.

Damals wie heute sind die genannten Themen zu unterscheiden.

Immer im Blick müssen  neben technischen, ökologischen und ökonomischen auch sicherheitsrelevante Aspekte sein.

Denn um es vorweg zu sagen:

Oberste Priorität hat das Sicherheitsgefühl unserer Bevölkerung. Malsch ist ein Wohnort in dem seine Bürger sich wohlfühlen sollen und dazu gehört auch das Gefühl der Sicherheit. Dunkelheit suggeriert bei vielen Menschen ein Unbehagen. Das Sicherheitsbedürfnis unserer Bürger ist daher den Überlegungen zur Energie- und Kosteneinsparung gegenüber zu stellen.

Doch der Reihe nach:

Die Halbnachtabschaltung, bei der z.B. jede zweite Lampe abgeschaltet oder die Leistung der Leuchten reduziert wird, ist in Malsch nach Aussage der EnBW schlichtweg technisch nicht möglich. Eine weitere Diskussion über dieses Thema ist damit entbehrlich.

Die Nachtabsenkung, in Form einer Dimmung, ist bei den im Ort befindlichen Natriumdampflampen zwar technisch möglich, doch nach Aussage der Experten nicht empfehlenswert, da eine Umrüstung kostenintensiv ist und zudem die Systeme wenig zuverlässig sind. Zum Thema Kosten sei noch angemerkt, eine Amortisationszeit, also die Zeit die benötigt wird durch Senkung der laufenden Kosten die Investitionskosten einzusparen, von 20 Jahren ist bei technischen Anlagen wie Straßenlampen einfach zu lang.

Es bleibt die Variante Nachtabschaltung

In keinem Falle kann die Beleuchtung während der gesamten Dunkelheit abgeschaltet werden. In Frage kommt ggf. eine Zeitspanne von ca. 3 Stunden in der Nacht (z.B. von 1:30 Uhr bis 4:30 Uhr).

Betrachten wir zunächst den finanziellen Aspekt.

Für die Umrüstung würden ca. 46.000,00 € Kosten entstehen. Fraglich ist natürlich, wie bei jeder Kostenschätzung, ob es letztendlich dabei bleiben würde, oder ob nicht, wie so oft, aus im Vorfeld leider nicht ersichtlichen Gründen, eine Steigerung der Aufwendungen entsteht. Andererseits verringert sich der Energieverbrauch um ca. 27%, wodurch sich, auf der Basis der Stromaufwendungen des Jahres 2010,  bei den laufenden Energiekosten jährlich Ersparnisse von rund 12.420,00 € ergeben. Nach ca. 4 Jahren wären in diesem Falle die erforderlichen Umrüstungskosten amortisiert. Das ist ein absolut akzeptabler Zeitraum. Der Aspekt des verminderten Energieverbrauchs und der damit einhergehenden Kostenreduzierung sprechen also für eine solche Maßnahme.

Es gibt aber, wie eingangs erwähnt, auch das Sicherheitsbedürfnis unserer Bürger. Wer schon einmal bei völliger Dunkelheit allein unterwegs war, kennt wahrscheinlich das mulmige Gefühl, dass dabei häufig entsteht. Auch dem, der Verwaltungsvorlage beigefügten, Beitrag von Kriminalkommisar Ernst Wauer zum Thema „Straßenbeleuchtung und Sicherheitsgefühl“ kann entnommen werden, dass Sicherheit bzw. das Sicherheitsgefühl einer der wesentlichen Faktoren für die Lebensqualität der Menschen ist. Er führt weiter aus, dass besonders bei Dunkelheit in jedem Menschen „Ängste“ programmiert sind, die noch aus Zeiten herrühren, in denen die Menschen in der Dunkelheit noch befürchten mussten, etwa von wilden Tieren angefallen zu werden. Wenn dies auch heutzutage nicht mehr in dieser Form erforderlich ist, sind wir in der Dunkelheit immer vorsichtiger, als im Hellen. Das Sicherheitsgefühl ist von besonderer Bedeutung für die Bewertung der Lebensqualität durch Bürgerinnen und Bürger.

Der Kriminalkommisar schildert weiter, dass Beleuchtung tatsächlich und objektiv Sicherheit produziert, denn ein Passant kann von möglichen anderen Passanten oder von Bewohnern anliegender Gebäude gesehen werden und auch ein potentieller Täter weiß dies und wird an dieser Örtlichkeit normalerweise von seinem Vorhaben Abstand nehmen.

Dies ist eine Auffassung, der sich die Fraktion der Freien Wähler anschließt.

Der Fachmann führt auch Bereiche auf, in denen er eine Nachtabschaltung befürworten kann. Dies sind z.B. Feldwege, Kleingärten, Grünanlagen, Friedhöfe etc. Solche beleuchtete Bereiche gibt es aber in Malsch nicht oder höchstens sehr geringfügig.

Die Fraktion der Freien Wähler teilt daher die Ansicht der Verwaltung, dass eine Nachtabschaltung, angesichts des entstehenden Gefährdungspotentials bzw. des sich verschlechternden Sicherheitsgefühls unserer Bürger, nicht befürwortet werden kann. Das Sicherheitsbedürfnis unserer Bürger geht in diesem Falle, dem Energiekosteneinsparpotential vor.

Umrüstung der Schuch-Leuchten auf LED-Technik

Zweifelsohne gehört der LED-Technik die Zukunft. Mit ihr lassen sich der Energieverbrauch und damit die laufenden Energiekosten wesentlich und nachhaltig verringern.

Mit dem Umstieg auf die LED-Technik kann sowohl ein wesentlicher ökologischer als auch ökonomischer Beitrag geleistet werden, ohne dass das zu Lasten des Sicherheitsgefühls der Bürger geht.

Eine komplette Umrüstung aller 614 Straßenlampen auf einmal, kann sich die Gemeinde allerdings nicht leisten.

Die kurzfristige Umrüstung der 69 Schuch-Pilzleuchten, findet jedoch unsere Befürwortung, wenn die Bezuschussung durch den Bund erfolgt. Denn eine Umrüstung wird nach Abzug von Bundeszuschüssen in Höhe von 40% die Gemeinde rund 30.500,00 € kosten.

Da die Schuch-Pilzleuchten einen relativ hohen Energieverbrauch haben, ergibt sich durch den Umstieg auf die LED-Technik ein Einsparpotential von 85% der Energieleistung bzw. von ca. 7.500,00 € im Jahr. Die bei der Umrüstung entstehenden Kosten amortisieren sich somit in ca. 4 Jahren.  Ein Grund mehr, die kurzfristige Umrüstung der Schuch-Pilzleuchten auf LED-Technik anzugehen.

Langfristig sehen die Freien Wähler die Umrüstung des kompletten Beleuchtungsnetzes auf LED-Technik als wichtiges Ziel. Im Haushalt der Gemeinde sollten daher Rücklagen für diese Umrüstung gebildet werden, damit die Maßnahme, wenn nicht auf einmal, in nicht allzulangen Zeitabständen, Stück für Stück erfolgen kann. Malsch wird in diesem Falle wieder einmal Vorreiter für zeitgemäße, moderne Umwelttechnik.

 

Hans-Peter Haußmann